Stadt Lauchheim

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Geschichte Hülens

Am Nordrand des Härtsfelds zum Jagsttal hin ragt auf einem vorspringenden Bergsporn die Kapfenburg heraus. Römische Reste, deren nähere Umstände unbekannt sind, sollen auf eine Entstehungszeit in dieser Epoche hinweisen, eher kommt hierfür aber das Frühmittelalter in Betracht, als im Jagsttal direkt unter der Kapfenburg damals eine sehr bedeutende alamannische Siedlung in der Flur "Mittelhofen" lag.

Zu dieser Zeit waren jedoch Herrschaftsburgen auf Felskuppen noch nicht die Regel, man bevorzugte größere Flächen, die dann auch als Volksburgen genutzt werden konnten. Vermutlich erfolgte die Gründung der Kapfenburg erst zur salisch-staufischen Zeit, als die herrschenden Schichten befestigte Punkte in der Höhe suchten. Von der Kapfenburg aus, konnte das gesamte obere Jagsttal beobachtet und damit auch kontrolliert werden. Der Name der Kapfenburg leitet sich von dieser exponierten Lage ab, hier konnte man "kapfen", also Ausschau halten. Das Wort "kapfen" hat heute noch Bedeutung im Begriff "gaffen", auch die Bezeichnung "Kopf" kann damit in Zusammenhang gebracht werden.

Die Kapfenburg wurde durch den herrschenden Hochadel errichtet, die dann ihre Gefolgsleute, die Ministerialien, einsetzten. Zur Versorgung dieser Burgbesatzung war ein in der Nähe gelegener Hof oder auch mehrere Hofstellen erforderlich.

Für diesen Siedlungsplatz bot sich nun die Senke im Tal südlich von der Burg an. Das Härtsfeld ist eine flache, leicht nach Südost geneigte Ebene, die mit kleineren Taleinschnitten mit Entwässerung zur Donau durchzogen sind. Der Untergrund besteht aus Kalkgestein, der durch die Wirkung des Wassers zum Teil gelöst wurde, es bildeten sich Spalten. Dadurch versickert leicht das Wasser, es entstanden Trockentäler. Durch die Auflösung des Kalkgesteins kam es zu Einbrüchen des Untergrunds. Diese geologischen Vorgänge sind in der Senke der Täler am ausgeprägtesten. Aufgrund der Verwitterung entstanden auch Lehmhorizonte, die für das Wasser nicht durchlässig sind. Solche wassergefüllten Vertiefungen nannte man Hülen, die somit auch die Bezeichnung für die Siedlung gab.

Luftbild der Kapfenburg
Luftbild der Kapfenburg

Die Erstnennung von Hülen

Mit einer Urkunde des Klosters Lorch aus dem Jahr 1235 überschrieb Heinrich von Walthusen (Waldhausen im Remstal), der in zweiter Ehe mit der verwitweten Guta von Gruwenberc verheiratet war, unter anderem auch eine "mansum zu Hülewe". Dieser Hof stammte aus dem Besitz der Frau, deshalb musste der Überschreibung an das Kloster ihr Sohn aus erster Ehe, Eberhard von Gruwenberc, zustimmen. Dafür erhielt das Ehepaar vom Kloster Lorch neben anderen Leistungen zwei lebenslängliche Pfründe. Dies ist im Grunde nichts anderes als eine Übergabe mit einer Altersversorgung, nach heutigem Begriff eine Rentenversicherung.

Für Hülen ist diese Urkunde von besonderer Bedeutung. Indirekt kann man entnehmen, es gab damals sicher schon mehrere Hofstellen und was wohl am wichtigsten ist, die Grundherren waren die Gromberger. Auch bei späteren Verkäufen von Häusern in Hülen an den Deutschen Orden wird die Familie von Gromberg genannt. Mit dieser Erstnennungsurkunde von Hülen aus dem Jahr 1235 wird zumerstenmal die Familie von Gromberg genannt. Frühere Urkunden, auch über die Kapfenburg, sind unbekannt.

Der Übergang des kapfenburger Gebiets an den deutschen Orden

Die erste sichere Nennung der Kapfenburg stammt aus dem Jahr 1311, damals war die Burg schon im Besitz der Grafen von Oettingen. Es ist zu vermuten, die Kapfenburg war als Reichsburg im staufischen Besitz, die hier als ihre Ministerialien die Familie von Gromberg einsetzten. Hierfür spricht: Das Patronatsrecht im Bezirk war in den Händen der Familie Gromberg.

Am 25. März 1364 verkaufte Graf Ludwig von Oettingen die Kapfenburg mit dem dazugehörigen Burgweiler Hülen und anderen Liegenschaften an den Deutschen Orden. Damit gehörte die Siedlung Hülen nahezu 500 Jahre zum Deutschen Orden, der auf der Kapfenburg eine eigene Kommende einrichtete.

Innenhof und Gebäude der Kapfenburg
Innenhof und Gebäude der Kapfenburg

Die Deutschordenzeit in Hülen

Der Siedlungskern von Hülen liegt an der tiefsten Stelle der Straße von Kapfenburg nach Waldhausen, der sich an dieser Stelle mit einem sehr alten Weg kreuzt. Vermutlich war dies eine alte Römerstraße, die durch das Kugeltal über Arlesberg in den Raum Aalen führte. Für diesen Weg hatten die Herren von Oettingen im Mittelalter das Geleitrecht. Bis 1398 soll sogar in Hülen eine oettingische Zollstätte gewesen sein. Mit der Übernahme der Gebietshoheit durch den Deutschen Orden führte dies zu viel Streit zwischen den beiden Herrschaften Kapfenburg und Oettingen.

Mit dem Ausbau der Siedlung Hülen beschränkten sich die Höfe nicht mehr nur allein auf diese wenigen Hofstellen bei den Hülen, sondern die Häuser reihten sich beiderseits der Straße von der Kapfenburg nach Waldhausen jeweils den Hang hinauf.  Dieser Anstieg der Besiedlung führte bei der Wasserversorgung zu erheblichen Problemen. Obwohl schon sehr früh das Regenwasser von den Dächern in Zisternen gesammelt wurde, mußte doch stets bei Trockenheit das Wasser aus dem Jagsttal geholt werden. 1733 gelang dem Deutschen Orden, die Einrichtung eines offiziellen Postwegs von Frankfurt über Ellwangen, Kapfenburg, Neresheim, Dischingen nach Augsburg, der zwei Mal in der Woche bedient wurde. In Hülen war eine Reichsposthalterei, bei der die Pferde gewechselt wurden. Daraus entstand das heutige Gasthaus "Zur Alten Post".

1805 bekam Hülen eine eigene Schule. 1806 übernahm mit dem Einverständnis des französischen Kaisers Napoleon das inzwischen zum Königreich erhobene Württemberg die Deutschordenskommende Kapfenburg. 1823 erhielt Hülen eine eigene Schultheißerei, der 1832 auch die Kapfenburg zugeteilt wurde.

Kirchengeschichte Hülen

Bis 1901 gingen die Hülener nach Lauchheim zur Kirche, dort begruben sie auch ihre Verstorbenen. Mitte des 19. Jahrhunderts klagte der Schulinspektor Schöttle, wohl auf Information des Hülener Lehrers Humm, "der Mangel eines täglichen Gottesdienstes und eines Ortsgeistlichen wird empfunden".

Von verschiedenen Seiten kamen Vorschläge zu einem eigenen Kirchenbau in Hülen: Zunächst der Hülener Lehrer Humm; dann der Kapfenburger Kameralamtverwalter Rapp, der die Einrichtung eine Hülener Kirche in der Unteren Schloßkapelle der Kapfenburg vorschlug; Lehrer Hugger; Finanzrat Schmieg. Auch Vikar Bokmaier aus Lauchheim war für eine eigene Kirche in Hülen, dadurch schuf er sich in Lauchheim viele Feinde. Es war ein weiter und beschwerlicher Weg bis zur Errichtung einer eigenen Kirche. Zur Gründerversammlung zum Kirchenbau im Jahre 1894 erschien der damalige Stadtpfarrer von Lauchheim, Joseph Raphael Kröll, nicht.

Erst sein Nachfolger, Edmund Kohler, setzte den Neubau trotz heftiger Gegner energisch durch. Als Baustil wurde ein der Spätgotik nachempfundener Stil des Historismus gewählt, den Bauplan hierzu entwarf der damalige Pfarrer Harsch von Schwabsberg.

Zum Kirchenbau brachten bereitwillig die Hülener in mehreren Haussammlungen ihre Beiträge, auch König Wilhelm II. von Württemberg bewilligte eine Lotterie. Geld und Bauholz spendeten die Gemeinden Dalkingen, Elchingen, Killingen, Waldhausen und Westhausen mit Westerhofen.

Am 1. Juni 1901 konsekrierte der Bischof von Rottenburg, Dr. Paul Wilhelm von Keppler, die Kirche mit dem Patronat des hl. Franziskus von Assisi. Dem Märtyrergrab im Altar gab man die Reliquien des hl. Eudoxius und der hl. Theodora bei. Dekan Matt aus Waldhausen zelebrierte zusammen mit zwanzig anderen Geistlichen die erste heilige Messe am Einweihungstag. 1904 erhielt die Kirche eine Orgel mit 9 Registern von der Firma Spät aus Ennetach. Im gleichen Jahr wurde für Hülen eine eigene Pfarrverweserei eingerichtet.

Noch während des Kirchenbaus wurden drei Glocken beschafft, die allerdings den Ersten Weltkrieg nicht überstanden, ebenso die 1923 beschafften Glocken, die im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen wurden. Die dritte Glockenweihe fand 1949 statt.

Das 100-jährigen Jubiläum der Pfarrkirche feierte die Gemeinde am 17. Juni 2001.
Zu diesem Anlass ist auch eine Festschrift erschienen.

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